die innenseite von dem irren sein umkleideschränkchen
Freitag, 29. Mai 2009
Mal wieder: Sehnsucht
Die Menschen, die stumm an meinem Büro vorbei laufen. Trübe Tassen. Langweiler. Ich denke an SIE. Hallo, sage ich in meinen Gedanken und lächle still in mich hinein. Das alles sollte so nicht sein, ist es aber. Sie rollt ihren kleinen Koffer den Gang entlang, ich den meinen, unterschiedliche Wege, gleiche Mission.

"Sehr wir uns zum Abendessen?"
"Natürlich."

Duschen, lockere Klamotten an, ein bisschen weniger after shave, weniger ist mehr. Der erste Gang führt an die Bar, der Barmann putzt gelangweilt Gläser, ich nehme einen gin tonic, Zigarette. Leise Rauch in die Luft blasen, auf die Uhr schauen, eine Viertelstunde Verspätung, es sei ihr gegönnt. Die nächste Zigarette, Blicke, trinken, Essen gehen. Die leise Musik im Hintergrund, das Klappern der Bestecke, das Wispern, Räuspern, Hüsteln, Flüstern der Gäste, hier kennt uns niemand, wir sind allein, unter Menschen.

"Du siehst toll aus."
"Danke. Ebenso."

Lächeln. Wir wollen uns doch sowieso nur gegenseitig ins Bett bekommen, morgen dann wieder woanders, in anderen Betten, mit anderen Liebhabern. Wollen wir das? Fragen wir uns, aber wer hinterfragt schon diese Beziehungen, das sind doch auch nur noch lose Netzwerke, so sagt man das heute, nichts festes, nichts bestimmtes, Verpflichtungen gibt es nicht. Die Lust der scheinbaren Unabhängigkeit, aber eigentlich ist man nur Sklave seiner Einsamkeit und das schäbigste ist doch, dass man sich nur anfunkt, wenn man morgens aufgestanden ist und genau just in diesem Moment denkt: Mensch, die könnte ich mal anrufen, da hätte ich mal wieder Bock drauf, Essen, Trinken, Vögeln.

"Ich habe da jemanden. Es ist etwas festes."
"Schön."

Sehnsucht nach Nestwärme. Die freiheitsliebenden Liebhaber sind der Freiheit überdrüssig, die freie Wahl ist keine Option mehr, man möchte morgens nur noch dieses eine Gesicht sehen, das Gesicht, das einem gestern abend bereits begegnete, das Gesicht des Menschen, der heute abend das Licht im Flur anschalten und seine Schuhe ausziehen wird, um hier zu leben, gemeinsam.

... link (2 Kommentare)   ... comment


Montag, 18. Mai 2009
Die Dings beim Rauchen getroffen. Lange nicht gesehen, sagt sie, mit einem Lächeln im Gesicht. Wir haben Nachwuchs bekommen, sagt sie einfach so, meine Tochter ist gestern ein Jahr alt geworden. Lange nicht gesehen, sage ich etwas überrascht, zwei Jahre lang nicht. Komisches Leben, Zigarette ausgedrückt und der Dings hinterher geschaut, wie sie wieder ging, in Richtung Sowieso, in ihr eigenes Leben hinein.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Montag, 4. Mai 2009
Ein Leben im Selbstgespräch. Ich kann gut mit mir selber streiten, ich kann mich auch wunderbar selbst belügen und auch nachts über mich lachen, wenn ich betrunken von allem über Stock und Stein falle, nach einem kleinen Feste. Die staubigen Straßen mit ihren Dampflaternen sind meine Zeugen und ich selbst, natürlich. Man riet mir, mich in soziale Netzwerke zu begeben, um Kontakt zu halten, mit Menschen, die ich vermutlich kennen sollte, das brachte mich natürlich zum Lachen. Hört mal, sagte ich, ihr kennt mich doch und alle nickten und sagten nichts mehr, sondern schenkten nach, von diesem roten Wein, vollmundig, kräftig, undurchsichtig. Betrunken lallt es sich am besten und auch die Lügen, die man dem Spiegelbild erzählt, schmerzen nicht so sehr, wie der Kopf am Sonntagnachmittag, der mit einer Überraschung am Montagmorgen endete, die mich und mein Spiegelbild überraschte, erfreute und doch alles noch viel schlimmer macht.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Dienstag, 28. April 2009
Es gibt nichts unbefriedigenderes als die heimliche Verehrung.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Freitag, 24. April 2009
Ein Lob der Einsamkeit
Tür auf, Tür zu. Die Sonne ist schon längst gegangen, ich aber noch nicht, noch ein paar Unterlagen durchsehen und einpacken, im mich herum Stille. Nicht mal die B. ist noch da, obwohl B. immer lange im Büro herum hängt, vielleicht hat sie keinen Lover, der auf sie wartet, vielleicht hat sie aber auch einen, der ebend nicht auf sie wartet, sondern mit über dem Bauch verschränkten Armen schon längst auf der Couch vor dem Fernseher eingeschlafen ist, Bier, Chips und Pokalhalbfinale. Schnarch. B. ist aber schon gegangen, klackklackklack, den langen Flur herunter und nun ist auch die Sonne weg und ich auch, mit gepackter Tasche.

Vorbei an der Bar "Sowieso". Kurz hinein gelugt, aber die Dings ist nicht da, die Tante hinterm Tresen, die so gerne das Bier verschüttet und auch sonst nicht viel her macht, intellektuell, körperlich natürlich schon. Mit der habe ich schon so manche Nacht verbracht, ohne wirklichen Gewinn, weder intellektuell noch körperlich, sie erzählte viel Unsinn, ließ mich aber nicht ran, bekam dafür trotzdem noch Trinkgeld, nun ja, ist auch egal. Heute ist sie nicht da, also gehe ich weiter, schreite durch den Frühling, zwischen aufblühenden Kastanien und grünen Büschen, die im Dunkel des Abends natürlich nicht mehr grün vor sich her grünen, sondern stumm und farblos Spalier stehen, meine Einsamkeit flankieren. Zigarette an.

Die Wohnung riecht nach Zuhause. Willkommen in der Irrenanstalt, Licht in der Küche an, im Kühlschrank der obligatorische Fraß der Einsamen, irgendwas mit irgendwas drauf, dann ran an den Bildschirm, Rotweinflasche, Discounterware, dazu und was über die Ausbeutung des Kassierpersonals in Billigstdiscountern lesen - moderne Sklavenanstalten - während der rote, staubtrockene Rotwein vom Magen ins Gehirn wandert und den Sinn entstellt. E. hatte nicht geschrieben, dafür den Anrufbeantworter benutzt, seit wann tat sie denn dieses, frage ich mich und überlege kurz, mich bei Stayfriends anzumelden, um die aserbaidschanische Schulfreundin M. wieder zu finden, die gut küssen konnte und auch sonst nicht zu verachten war. Das ist natürlich Blödsinn. Kürzlich sah ich M. die Straße lang stolzieren, stolze Prada-Russinnen imitierend, auch sie hatte Jura studiert und legte nun regelmäßig Mandanten flach. Wahrscheinlich alles Scheidungsangelegenheiten.

Vor dem Bett der kleine Koffer, gepackt und bereit, durch die Wartehallen sämtlicher Flughäfen der Welt gezogen zu werden, dazu das Laptop der Verdammnis, angefüllt mit Excelstaub und sonstigem Unsinn, vielleicht sollte ich die, die vorgibt, so etwas wie Liebe für mich zu empfinden, mal anrufen und so tun, als würde ich nur sie begehren, vielleicht doch lieber die E. anrufen und sie anschmachten oder mich vielleicht bei Stayfriends anmelden, um die M. zu finden oder auch andere, das Lob der Einsamkeit ist das Lob des großen Vielleicht, das Lob der leeren Betten, das Lob des unentschlossenen Herzens, das Lob des Abers, alles in allem: Blauer Dunst.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Last update: 2013.11.12, 09:05
status
You're not logged in ... login
menu
... home
... archives

search
 
calendar
Juni 2026
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 1 
 2 
 3 
 4 
 5 
 6 
 7 
 8 
 9 
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
 
 
 
 
 
 
 
klagen

netz

recent updates
wtf
Deine midlife-crisis überwunden hast du, wenn...
by irre (2013.11.12, 09:05)
Kein #Aufschrei, aber
Als stereotypischer Mann konsumiere ich fast täglich...
by irre (2013.01.30, 11:47)
Sisyphos
Ein Schritt vor, drei zurück. Mindestens. Keine...
by irre (2012.12.14, 08:45)
das Wichtigste, die Wurzel...
das Wichtigste, die Wurzel und aller Antrieb in der...
by irre (2011.07.05, 12:33)
Verehrte E.
ich weiß nicht, was mich dazu trieb, dein facebook-Profil...
by irre (2011.02.25, 09:59)
2011
Und wieder startet ein Jahr voller Irrungen und Wirrungen,...
by irre (2011.01.05, 09:50)
modern spam art
habe mich am wochenende mit einer Bekannten verabredet...
by irre (2010.11.26, 08:56)
Hochverehrte Damen, tragt...
Hochverehrte Damen, tragt Stiefel!
by irre (2010.11.10, 11:30)

xml version of this page